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Merkblatt

Finanzplanung Arztpraxis

Zu Beginn einer Praxisplanung ist es oft schwierig, einen genauen Liquiditätsplan für das Praxisprojekt zu erstellen. In dieser frühen Phase kann mit einem pragmatischen Vorgehen einigermassen Klarheit über den Mittelbedarf gewonnen werden.

Wiederkehrende Ausgaben

Um eine einigermassen projektbezogene Planung erstellen zu können, müssen zumindest die zu bezahlende Miete und die Personalkosen bekannt sein. Das Grob-Budget basiert auf Zahlen einer laufenden, gut ausgelasteten Praxis.

            Miete
            Personallöhne
            Übrige Aufwendungen
            Medikamente
            Kapitalkosten Zinsen
            = laufende Praxisgaben
            Privatbezüge
            = laufende Liquiditätsabflüsse Praxisbeginn
            Kapitalkosten Amortisation/Kreditrückzahlung
            Steuern / AHV
            = laufende Liquiditätsabflüsse folgende Jahre

Die Kapitalkosten (Zinsen und Rückzahlungen) können erst berechnet werden, wenn der Kapitalbedarf bestimmt ist. Rechnen Sie für die Zinsen vorerst mit 7% von einer - je nach Ihren Absichten - geschätzten Summe von Fr. 250'000.- bis Fr. 500'000.-. Die Rückzahlungen müssen vorerst noch nicht einbezogen werden. Steuern werden bei eine Neueröffnung während der Aufbauphase relativ tief (ca. Fr. 3'000.- bis Fr. 6'000.-) ausfallen. Für spätere Jahre und bei einer Praxisübernahme sind ca. 25% bei einem Einkommen um die Fr. 60'000.- bis Fr. 80'000.- und ca. 33% bei einem Einkommen über Fr. 150'000.- einzurechnen. Dazu kommt die Belastung durch AHV-Beiträge von ca. 10% vom Einkommen. Diese sind in der obigen Aufstellung für die Anfangszeit pauschal einberechnet. Bei höheren Einkommen müssen sie zusätzlich budgetiert werden.

Kapitalbedarf

Betriebsmittel

Nehmen Sie die vorher ermittelten Liquiditätsabflüsse bei Praxisbeginn (Jahressumme). Diese teilen Sie durch vier, wenn Sie eine Praxis übernehmen oder aufgrund der Konkurrenzsituation mit einer sehr kurzen Anlaufzeit rechnen. Bei einer Neueröffnung ist der Divisor zwei anzuwenden. Erfahrungsgemäss sollte Ihre Bestimmung des Betriebsmittelbedarfes nun einen Betrag zwischen Fr. 90'000.- und Fr. 160'000.- ergeben.

            = Total Betriebsmittelbedarf

Investitionen

Diese zu bestimmen, fällt Ihnen wohl relativ leicht. Denn Sie wissen ja, welche Geräte Sie benötigen werden. Mit Preislisten oder einem Ausstellungsbesuch kann die gesamt Investitionssumme definiert werden. Denken Sie auch an die nicht-medizinischen Geräte (Praxiscomputer, FAX - falls nicht vom Medikamentenlieferanten oder dem externen Labor "gesponsert", Telefonanrufbeantworter usw.). Für den Praxisumbau oder -ausbau muss zwischen Fr. 30'000.- bei einer Übernahme und Fr. 150'000.- bis Fr. 250'000.- bei einem eigenen Ausbau oder einer totalen Umgestaltung gerechnet werden. Dazu kommt allenfalls der Kaufpreis eines Stockwerk-Eigentums (was ohne Eigenkapital nicht ganz einfach zu finanzieren sein wird....)

            Medizinische Geräte (Diagnose / Therapie)
            Laborgeräte / Instrumente
            Büro- und Kommunikationsgeräte
            Praxisausbau / -umbau
            Grundstock an Vorräten und Medikamenten (ca. 3- Monats-Bedarf)
            = Total Investitionssumme

Finanzierung

            - Vorhandene Bankguthaben, Wertschriften, bereits abbezahlte Schuldbriefe usw.
            - Freizügigkeitsguthaben aus Ihrer bisherigen Vorsorge *)
            - Familieninterne Finanzquellen wie Schenkungen, Erbvorbezüge usw.
*) Aus steuerlichen Gründen empfehlen wir, diese Gelder herauszulösen, auch wenn Sie Ihre zukünftige Vorsorge wiederum in der zweiten Säule betreiben - eine ausführlichere Begründung geben wir gerne bei einer Besprechung.

Der Rest ist mit konventionellen Bankkrediten zu finanzieren. Alle übrigen Finanzierungsinstrumente wie Leasing, Honorarbevorschussung usw. halten meistens einem wirtschaftlichen Vergleich nicht stand.

            Betriebsmittelbedarf
            - Eigenkaital und private Finanzquellen
            = Betriebskredit von der Bank

            Investitionssumme = Investitionskredit von der Bank

Nun können Sie noch Ihre Schätzung der Kapitalkosten überprüfen und allenfalls die Rechnung iterativ anpassen. Rechnen Sie mittelfristig mit einer Zinsbelastung von 6 - 7% obwohl die aktuellen Netto-Zinssätze (ohne Kommission auf dem Betriebskredit) unter 6% liegen. Für die Rückzahlung geht man von einem Zehntel der Kreditsumme pro Jahr aus.

Wie geht es weiter?

Dieser erste Zugang kann mit der Zeit präzisiert werden. Solange der Kapitalmarkt - wie heute - relativ "flüssig" ist, genügt es oft, die Verhandlungen mit der Bank mit einem solchen Grob-Budget anzugehen. Bei grösseren Projekten und fehlender Eigenkapitalbasis ist aber die Ausarbeitung eines detaillierteren Finanzplans unter Mithilfe eines Praxisberaters oft nötig.

Auch bei einem nicht-kapitalintensiven Projekt lohnt es sich, die Verhandlung mit der Bank gut vorzubereiten. Besprechen Sie mit Ihrem Praxisberater vorher die aktuellen Konditionen, die Sie erwarten können, wie man optimal vorgeht und welche Verhandlungstaktik angewandt werden kann. Wir stehen Ihnen für eine individuelle Beratung gerne zur Verfügung.


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© 1996-2000 CONSOMED Bernhard Schneider, Praxisberatung + Ärztetreuhand, Bern (Schweiz)

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